Pressemeldung, 13.03.2012; Albert-Schweitzer-Schule Villingen

War nicht nur Spaß

Theatervorstellung zum Thema Cybermobbing

VS-Villingen. Die Berliner Theatergruppe „Radiks“ war dieser Tage in der Albert-Schweitzer-Schule in Villingen zu Gast. Vor nahezu 140  Schülerinnen und Schüler verschiedener Schularten brachten die Darsteller Laurine Betz und  Phillip Sponbiel dem Publikum eindrucksvoll die Thematik Cybermobbing nahe. Organisiert hatte diesen Vormittag Roswitha Knopf, Fachlehrerin unter anderem an der Berufsfachschule für Altenpflege, die in Gesprächen mit Schülerinnen und Schülern immer wieder von Mobbing und Cyber-Mobbing erfährt und mit ihren Klassen an diesem Thema arbeitet. Hauptthemenfeld des  Theaterstücks von Karl Koch mit dem Titel „Fake oder War doch nur Spaß“ ist Mobbing, insbesondere  das Cyber-Mobbing. Das Ensemble thematisierte sowohl die persönlichen als auch die rechtlichen Folgen von Beleidigungen, Bedrohungen und sexueller Belästigung über das Internet. Gleichsam wird ein kritischer Blick auf die Unterhaltungsindustrie und Erlebniskultur geworfen. Der Umgang mit und in sozialen Netzwerken wurde kritisch hinterfragt, über den Missbrauch von Daten im Zeitalter der „Surf- Kultur“ wurden die interessierten Schüler sensibilisiert. Die beiden Darsteller schlüpften im Laufe der Handlung in verschiedene Rollen und es gelang ihnen, die Zuschauer mit der Geschichte der Hauptdarstellerin Lea in ihren Bann zu ziehen.

Lea, 17 Jahre alt, bewirbt sich bei einer Casting- Agentur als Sängerin. Als sie dort Erfolg hat, erzählt ihre Freundin, die sich ebenfalls erfolglos bei der Casting- Agentur beworben hat, aus Neid Lügen über Lea und stiftet Unfrieden im Freundeskreis. Dies führt zu Sticheleien und Ausgrenzungen, die sich bald auch auf diverse Netzwerkportale erstreckt. Sehr eindrücklich macht das Stück deutlich, dass sich Cyber-Mobbing immens ausweitet und der Kontrolle der Urheber entzieht. Auch Lea versucht zunächst sich gegen die Mobbing- Attacken zu wehren, fordert damit die Angreifer noch mehr heraus. Mit der Zeit zieht Lea sich zurück und weiß am Ende nicht mehr, wem sie vertrauen kann. Selbst ihre große Liebe Andy, stellt sich als Verbündeter der Mobber heraus. Lediglich ihren Freund Joe, selbst auch eher ein Außenseiter, erkennt sie erst zuletzt als wahren Verbündeten. War nicht nur spaß1
Am Ende des Stücks zeigen sich die seelischen Folgen für Lea und ihr Umfeld. Es bleibt offen, wie es für Lea weitergeht und ob es wirksame Strategien gibt, einen Mobbing- Prozess zu durchbrechen. Besonders beeindruckend war, in welch überzeugender Weise Laurine Betz und Phillip Sponbiel die authentischen Charaktere verkörperten und so den Zuschauern einen sehr realistischen und bewegenden Zugang zur Gefühls- und Beziehungswelt der von Ausgrenzung betroffenen Menschen ermöglichten. Im anschließenden Publikumsgespräch wurde deutlich, wie sehr sich die Schüler in die Personen hineinversetzen konnten. Zum Schluss wies Roswitha Knopf auf die Unterstützungsmöglichkeiten für Betroffene an der Albert-Schweitzer-Schule hin
Bericht und Fotos: Peter Anders

War nicht nur spaß2